Lila Icon Montag, 13. August 2007 Lila Icon

Orangenes Icon 13/08/07 10:42 Orangenes Icon

Das beste an dem Tag heute ist der Feierabend zusammen mit meinem Schatz. Definitiv.

Mal schauen, was im Fernseh kommt.
Gestern ist der TV-Konsum dran gescheitert, das wir erst so um 20:00 zum Kochen kamen (ok ok, ich gebs ja zu - R zum Kochen kam... ich halt mich da ja eher fein raus - im beiderseitigen Einvernehmen allerdings) und dann auf dem Balkon saßen bei KerzenPetroleumlampenschein und uns unterhielten.
Was natürlich ebenfalls sehr schön war.

Orangenes Icon Atonale Scheußlichkeit Orangenes Icon

Ich habe in der Zeitung Die Welt einen Artikel über einen der bekanntesten avantgardistischen Komponisten gelesen, den sogenannten Nestor oder Nestroy der Atonalität, Elliott Carter. Die Atonalen sind Musiker, die der Musik misstrauen. Carter hat jetzt erklärt, dass er seine gesamte Musik, alles, was er in den letzten fünfzig Jahren zusammenkomponiert hat, für scheußlich hält. „Niemand mag das hören“, sagt Carter. Er habe sein Leben verschwendet. Er schimpfte auf die Kritiker, die ihn gelobt, und auf die Dirigenten, die seinen, wie er selber es nennt, „Unsinn“ dirigiert haben. Er entschuldige sich beim Publikum. Er wolle in Zukunft zum Beispiel irische Folksongs komponieren. Das werden nicht allzu viele irische Folksongs sein.

Elliott Carter ist 98 Jahre alt. Außerdem möchte er seine gesamten avantgardistisch-atonalen Werke überarbeiten und sie mit traditionellen Melodien zum Mitsingen versehen. Daraufhin wurde er gefragt, wie er überhaupt auf diesen stilistischen Irrweg gelangen konnte. Carter sagt, seine Frau sei schuld. „Sie mochte dieses Zeug.“ Er habe zu seiner Frau einfach nicht Nein sagen können und habe deswegen, quasi aus Gutmütigkeit und Gattenliebe, fünfzig Jahre lang eine avantgardistische Musik nach der anderen komponiert. Kürzlich ist seine Frau gestorben.

ZEITmagazin Leben, Kolumne von Harald Martenstein - Link)

Orangenes Icon Misstrauen gegenüber der Sprache Orangenes Icon

In den Ferien habe ich ein Buch gelesen, in dem deutsche Schriftsteller über ihre Vorbilder schrieben und über ihre Leitidee. Die Schriftstellerin Antje Rávic Strubel äußerte dort, das Wichtigste beim Schreiben sei „Misstrauen gegenüber der Sprache“.

Das halte ich, mal ganz traditionell ausgedrückt, für ein schwer danebenes Avantgardeklischee. Das ist so, als ob Liselott Linsenhoff sagte: „Das Wichtigste beim Pferdesport ist Misstrauen gegenüber dem Pferd.“ Da wäre sie sicher nie Olympiasiegerin im Herumreiten geworden. Oder als ob ein Straßenfeger sagte: „Ich als moderner Straßenfeger misstraue dem Besen. Der Besen ist, bezogen auf die komplexen, vielschichtigen Straßen von heute, ein untaugliches Instrument.“ In der Straße, in der so ein Avantgardist fegt, möchte ich nicht wohnen.

(ZEITmagazin Leben - Kolumne von Harald Martenstein - Link)

- Herumreiten, ich schmeiß mich weg... :-)

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